Der Siberian Husky - ein Menschenfreund im Wolfspelz

In ihren Augen spiegelt sich das Blau von Nordlandseen, das Braun endloser Wälder oder seltener auch Amber schimmernd wie Bernstein. Einige von ihnen sehen die Welt sogar mit zwei verschiedenen Augenfarben.
Siberian Huskys sind geschmeidiger, ausdauernder und schneller als alle anderen reinrassigen Schlittenhunde und ihr heiseres Gebell verleiht ihnen einen exotischen Reiz.

Freudig begrüßen sie ihren Besitzer mit einem lang gezogenen " HOUUUUUUUUUUUH ", das bis zu einem schaurigen Klagelied werden kann, wenn sie sich einsam fühlen. Unsere beiden heulen auch, wenn das Telefon klingelt und wir im Garten sind und es nicht hören. Kurz gesagt: Der Siberian Husky ist das Bild von einem Hund.

Huskies sind nicht Besitz ergreifend. Sehen sie sich oder ein "Rudelmitglied" bedroht, können sie jedoch gefährlich zupacken. Gegenüber fremden Hunden und Haustieren sind sie selten aggressiv.

Sie sind liebenswürdig, menschenfreundlich und gesellig.

Sie gelten als wenig domestizierte Hunde.

Sie ziehen an der Leine und gehen ihrem Besitzer spätestens dann durch, wenn sie nicht angeleint ein Stück Wild erblicken (aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, Akira und Amely laufen frei und gehorchen auch, wenn Rehe oder Hasen in der Nähe sind). Sie versuchen, sich gewisse Freiheiten zu erhalten und laufen gerne weite Strecken im Galopp.

Ihre Erziehbarkeit hält sich in Grenzen. Man könnte meinen, sie seien vom Wesen her eher mit Katzen als mit anderen Hunden vergleichbar. Trotzdem wurde der Husky ein Modehund. Nicht nur Freunde des Schlittenhundesports sind von seiner Natürlichkeit, Schönheit, Robustheit und seinem Charakter fasziniert. Leider gelangen gerade Huskies oft an Menschen, die dem Bewegungsbedarf dieser Tiere einfach nicht gerecht werden.

Huskies bellen zwar selten - sie heulen mehr wolfsartig - aber sie können, wenn sie unausgelastet und oft allein in der Wohnung gehalten werden, an der Einrichtung erheblichen Schaden anrichten.

Rüden werden 53-60 cm hoch mit 20,5-38 kg, Hündinnen 50,5-56 cm 15,5-23 kg. Als Hunde des hohen Nordens, die -40°C ertragen können, haben Huskies ein wolfsartiges Haarkleid mit längerem Deckhaar und einer dichten Unterwolle. Alle Farben sind erlaubt, charakteristisch ist jedoch Schwarz, Grau oder Braun mit Weiß. Die Weißabzeichen bilden die Husky-typische Maske. Viele der geheimnisvollen Zeichen auf der Stirn findet man bei keiner anderen Hunderasse.

Wo hat der Siberian Husky seinen Ursprung

Wahrscheinlich im östlichen Teil von Siberien. Die Geschichte der Rasse ist eng mit den Bewohnern dieser entlegenen Region verbunden. Die Jakuten an der mittleren und unteren Lena, die östlichen Tungusen vom Jenisee bis zum Ochotskischen Meer begrenzen das Gebiet, aus dem der Siberian Husky stammt. Ebenso wie die Jugakiren, ein Nomadenstamm (Rentiere), Jäger und Fischer zwischen Kolyma und Jana. Die Tschuktschen, z.T. 25% sesshafte Jäger und Fischer an der Küste des Eismeeres und der Beringstraße, z.T 75% nomadisierende Rentierzüchter in den Gebieten vom Meer bis zum Lauf des Kolyma.
Die Korjaken, vom Beringmeer über Kamtschatka bis zum Ochotskischen Meer, welche ebenfalls in sesshafte Küstenbewohner und wandernde Rentierzüchter aufgeteilt werden und schließlich die Kamtschadalen, die Bewohner Kamtschatkas, sesshafte Jäger und Fischer.

Als Nomaden, die Zelte und den ganzen Hausrat stets mit sich führten, waren sie geradezu abhängig vom Besitz einer Anzahl Schlittenhunde (Korjaken: 10 Hunde pro Familie, Jugakiren: 7 Hunde pro Gespann). Aber auch als sesshafte Jäger und Fischer besaßen sie Hundegespanne, um den notwendigen Kontakt mit den Nachbarsiedlungen und den Nachbarstämmen aufrecht zu erhalten. Bei solchen Reisen, die mehr oder weniger regelmäßig unternommen wurden, legten die Gespanne mit ihrer Last von kostbaren Pelzen und anderem Tauschmaterial oft hunderte von Meilen zurück, um unter anderem mit   Tee, Zucker und Tabak befrachtet wieder zurückzukehren.

Die Hunde waren schlechte Wächter und erwiesen sich auch Fremden gegenüber außerordentlich freundlich. Sie lebten mit ihren Besitzern in einer engen Gemeinschaft und Agressivität war daher nicht erwünscht. Auch zur Jagt wurden sie nur bedingt eingesetzt. Allerdings wird hin und wieder erwähnt, dass sie aus religiösen Gründen geopfert wurden.

Die große Bedeutung, welche dem Hund zukam, zeigte sich auch darin, dass die Tiere den Umständen entsprechend meist gut behandelt wurden, besonders von den Jugakiren und Korjaken, welche als sehr fachkundige Hundezüchter galten, ja z.T. auch vom Hundehandel lebten.

In den Tagen des "Gold Rush" in Alaska, als die harten Männer, welche dort das Glück suchten, anfingen, mit ihren Hundegespannen Wettrennen auszutragen, breitete sich die Kunde von den unglaublich schnellen Schlittenhunden in Sibirien aus.
Damals gab es in Alaska an Hunderassen den eingesessenen Alaskan Malamute und bereits eine große Zahl eingeschleppter, fremder, nur zu einem ganz geringen Teil arktischer ("Eskimo Hund") Hunde und all deren Abkömmlinge, fast alles Kreuzungen.

In diese Atmosphäre gelangte der russische Händler Goosak, der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts sein Team für Schlittenhunderennen in Alaska anmeldete. Als er mit seinen sibirischen Schlittenhunden erschien, wurde er bitter verspottet, denn man gab ihm mit diesen Tieren, welche viel kleiner als die bisher verwendeten Typen waren, absolut keine Gewinnchancen. Aber bald zeigte sich das Erstaunliche:
Immer und immer wieder überflügelte sein Gespann alle anderen und kehrte siegreich ins Ziel zurück. Goosak fuhr zwar wieder heim nach Sibirien, aber der Bann war gebrochen. Im Jahre 1910 schrieb "Fox" Maule Ramsey drei Gespanne sibirischer Huskies für das Non-Stop Rennen Nome - Candle - Nome die "all Alaska Sweepstakes" (408 Meilen) in die Meldeliste ein und Jonny Johnson, der eines der Teams führte, siegte mit einer Rekordzeit von 74 Stunden, dicht gefolgt von Ramsey mit dem zweiten Team.

Die Nachfrage nach den sibirischen Schlittenhunden stieg sprunghaft  an und ein reger Export von Sibirien nach Alaska setzte ein. Die meisten dieser Tiere wurden leider nicht rein weitergezüchtet, und diese kurze Zeitspanne bis 1914 ist deshalb die Rassengeschichte des Siberian Husky nicht von Wichtigkeit. Anders aber die Ereignisse des Jahres 1914.

Roald Ammundsen plante eine Expedition von Alaska zum Nordpol und da er bereits von den fabelhaften Leistungen der sibirischen Schlittenhunde gehört hatte, erließ er den Auftrag, mehrere solche Gespanne zusammenzustellen. Der Ausbruch des Weltkrieges vereitelte aber seine Pläne und die in Sibirien speziell für ihn ausgesuchten Hunde wurden zum Verkauf angeboten.
Leonhard Seppala, ebenfalls ein Norweger, der als Goldsucher sein Glück versucht und als Schlittenführer seinen Lebensunterhalt verdient hatte, übernahm diese Hunde und damit wurde der Grundstein zur modernen Hochzucht des Siberian Husky gelegt.

Seppala sah ein erstes Zuchtziel in einer leichten Vergrößerung der Tiere, sowie in einer Vereinheitlichung von Aussehen und Ausdruck, unter voller Beibehaltung der erstaunlichen Schlittenhundefähigkeiten.

Er gewann mit seinem Team viele der damals aktuellen Schlittenhundrennen. Seine größte Tat aber vollbrachte "Sepp" im Jahre 1925, als sich mitten im Winter eine Diphterie-Epidemie in der Stadt Nome ausbreitete und so rasch wie möglich Serum herangeschafft werden musste. Von Nenana, wohin es die Eisenbahn gebracht hatte, beschloss man es mit einer Hundeschlittenstaffette nach Nome zu bringen. Seppala zog von Nome los und traf sich mit dem entgegenkommenden Team, nachdem er bereits 169 Meilen zurückgelegt hatte, 42 Meilen davon in einem tobenden Blizzard. Obwohl kein Ende des Sturms abzusehen war, wendete "Sepp" sein Team und raste zurück, Müdigkeit, Hunger und Kälte vergessend, um Menschenleben zu retten. Diese Tat brachte ihm den Ruhm ein, als "größter Schlittenführer aller Zeiten" bezeichnet zu werden.

Für seinen Leithund "Togo" wurde ihm in New York von Roald Ammundsen eine Goldmedaille überreicht. Er verkaufte dann später einige seiner siegreichen Hunde. Aus diesen Hunden entwickelten sich dann die erfolgreichen Zuchtlinien (Chinook, Monadnock, Alyeska, Foxstand, Igloo Pac, Cold River und Kabkol Linien) welche den Grundstock der heute vorhandenen Siberian Huskys bilden. In Kanada verkaufte er weitere Hunde welche ebenfalls Zuchtlinien begründeten, die bis heute erhalten sind (White Water Lake).

Als Seppala im Jahre 1945 Alaska verließ, nahm er keine seiner Tiere nach Seattle mit, begann dann allerdings dort eine eigene Zucht mit speziell ausgesuchten Tieren (Bow Lake).

Der Siberian Husky ist immer noch die unbestritten schnellste, leichteste und kleinste aller anerkannten Schlittenhunderassen, wurde von Byrd auf seinen Antarktisexpeditionen mitgeführt, wurde im zweiten Weltkrieg von der Armee für Rettungsdienste eingesetzt, dient auf Wetterstationen in Baffinland, hat sich sogar als Blindenhund bewährt und versagte nur dort, wo in einem "Dogs for Defense" Programm versucht wurde, ihn zum Wach- und Schutzhund zu erziehen.